NEA! Interview: „Zehn Fragen - zehn Antworten“

1. Du wirst als eine der neuen Symbolfiguren aus dem Osten Deutschlands bezeichnet…

Das hängt sicher mit meinem Lebenslauf zusammen. Ein Auf und Ab, ein geografisches Hin und Her. Ich gehöre jener Generation an, die es nach der Wende im Osten schwer hatten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wir mussten unsere Heimat verlassen und westwärts gehen. In Hessen machte ich eine Ausbildung, nicht in meinem Traumberuf, 400 Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Doch es blieb immer die Sehnsucht nach der alten Heimat. Nach 12 Jahren in Hessen kehrte ich zuerst nach Thüringen zurück und lebe seit vier Jahren in Sachsen, in Leipzig. Hier fühle ich mich wieder angekommen.

2. Viele betrachten den Osten nach wie vor als zurückgeblieben, haben Vorurteile. Warum hast du dennoch dem Westen den Rücken gekehrt?

Weil ich davon überzeugt bin, dass sich der Osten Deutschlands überhaupt nicht mehr zu verstecken braucht. Die Menschen hier sind selbstbewusst, haben nach 29 Jahren Mauerfall den aufrechten Gang neu gelernt. Sie haben die harten Brüche in ihrem Leben weggesteckt, sind neugierig und offen. Und mal ehrlich: Wenn ich durch eine Stadt wie Leipzig gehe, sehe ich eine hochmoderne City, auferstanden aus Schmutz und Asche, voller Tradition und Stolz.

3. Deine neue Musik, deine Texte spiegeln dieses neue ostdeutsche Selbstbewusstsein wider?

Dem möchte ich sehr nahe kommen. Es gibt dieses neue Ostdeutschland, mit seinen liebenswerten Menschen und den Orten, an denen man gerne verweilt. Ich versuche in meinen Songs, das Neue abzubilden, ohne dabei meine ostdeutschen Wurzeln zu verleugnen. Ich blicke zurück und schaue gleichzeitig nach vorn. Aus der Vergangenheit entspringt die Zukunft. Und inzwischen ist es ja kein Geheimnis, dass gerade wir Ostdeutschen einzigartig sind: Wir lebten in zwei unterschiedlichen Systemen und können die jeweiligen Vor- und Nachteile genau abwägen.

4. Hast du als Musikerin einen besonderen Anspruch an deine Songs?

Natürlich. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Musiker in dieser aufgewühlten Zeit neu denken und Verantwortung übernehmen müssen. Früher fragte man: Und welche Botschaft soll dein Lied vermitteln? Was willst du damit sagen? Heute schütteln wir oft die Schulter: Die Songs sollen doch nur unterhalten, ja ablenken. Das macht gute Musik sicher auch aus. Aber das reicht nicht mehr. Und der Osten – die Generationen zwischen 40 und 65 Jahren – ist anders sozialisiert. Sie lesen noch immer zwischen den Zeilen, suchen nach originellen Worten, die im Kopf bleiben. Und die anspruchsvoll sind.

5. Hast du dafür Beispiele parat?

Ich jongliere gern mit Worten, die anders sind. Wir arbeiten ja fleißig am neuen NEA!-Album – und da liebe ich Begriffe wie „Kassettenkind“ oder „Regenbogenbrücke“. Das sind Worte, die etwas im Kopf auslösen: eine Erinnerung, ein konkretes Bild. Wenn ich einen guten Musiktitel höre, ist das wie beim Betrachten eines Gemäldes: Jeder macht sich seinen eigenen Reim darauf. Und das ist gut so.

6. Erzähle doch, wie sich deine neue Musik anhört und anfühlt…

Oh, das liegt sicher im Ohr des Zuhörers! Wir neigen in Deutschland immer dazu, entweder Musik in eine Schublade zu stecken oder Neues mit Vorhandenem zu vergleichen. Zum Beispiel: Einmal Schlager, immer Schlager. Und den Satz „Klingt wie…“ lehne ich strikt ab. Das gesamte NEA!-Team, übrigens aus dem Osten und aus dem Westen Deutschlands, legt Wert darauf, dass NEA! ihrem Namen alle Ehre macht. Denn NEA! kommt aus dem Griechischen und heisst schlicht und einfach „neu“. Da singt NEA!, da steht NEA! auf der Bühne – nicht mehr und nicht weniger.

7. Mittlerweile haben sich in der gesamtdeutschen Musiklandschaft zahlreiche Sänger und Sängerinnen aus dem Osten etabliert – beispielsweise Silbermond, Yvonne Catterfeld, Annett Louisan oder Linda Hesse. Was unterscheidet dich von ihnen?

Das sind alles tolle Kollegen, die im vereinten Deutschland richtig gut durchgestartet sind. Ab und an erinnern sie sich in ihren Songs an ihre alte Heimat, schreiben darüber Lieder. Doch es sind überwiegend Songs, die auf Vergangenes zurückblicken, Wehmut, manchmal sogar Trostlosigkeit verbreiten. Ich empfinde den neuen Osten durch meine Augen, nehme diesen Aufbruch wahr, der weit weg ist vom altbekannten und viel zitierten „Es war nicht alles schlecht“-Gefühl. Hier wachsen einzigartige Start-ups und Firmen mit originellen Ideen.

8. „Alles Richtig“ heißt die neue Single aus dem Album „Kassettenkind“, die im März erscheinen wird. Ist denn heutzutage wirklich alles richtig?

Ja und nein. Was auf den ersten Blick wie ein lapidarer Song erscheint, ist es ganz und gar nicht. In „Alles richtig“ nehme ich die Oberflächlichkeiten unseres Alltags auf die Schippe. Wie das ständige Foto posten auf dem Smartphone, das Treffen in teuren Bars, das sich Abkapseln, um elitärer zu wirken. Diese ausgeprägte Willkommen-im-feinen-Club-Mentalität, die wir in diesen aufgewühlten Zeiten nun gar nicht mehr brauchen.

9. Was brauchen wir denn eher?

Wir brauchen eher die Rückbesinnung auf gute, alte Werte wie Zusammenhalt ohne Exklusivität, auf Ehrlichkeit, auf Vertrauen. Auch darum geht es in „Alles richtig“: Egal, ob es der Partner ist, die Familie, gute Freunde oder gar die gesamte Gesellschaft.

10. Die gesamte Gesellschaft? Vermag ein einziges Lied da etwas zu ändern?

Sicher nicht, würde ich das glauben, wäre ich ja sehr naiv. Aber wir im Osten Deutschlands, zumindest die Kassettenkinder-Generationen, wie ich sie nenne, haben einst gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Das war seinerzeit nötig, weil nicht alles offen ausgesprochen werden durfte. Wer sich das bis heute bewahrt hat, der wird auch in „Alles Richtig“ vieles entdecken, was man so oder eben auch anders verstehen kann. Ich möchte Denkanstöße geben und meinen Hörern etwas mit auf den Weg durch stürmische Zeiten geben. Und ich will natürlich unterhalten.

Termine

06.10.2018 – Bollenmarkt in Zerbst/ um 17:00 Uhr

23.10.2018 – Radio B2/ Radiointerview

23.10.2018 – Super Illu/ Interview

24.10.2018 – SchlagerPlanet/ Radiointerview

24.10.2018 – dpa/ Presseshooting

2.11.2018 – MDR Sachsen Hitparade/ Platz 7

5.11.2018 – MDR Sachsen-Anhalt/ Radiointerview

5.11.2018 – MDR Um 11/ TV-Interview

8.11.2018 – MDR Sachsen Hitparade/ Platz 10

10.11.2018 – Ostthüringer Zeitung/ Interview

11.11.2018 – Erfurt/ um 16:15 Uhr

01.12.2018 – Erfurt/ um 18:30 Uhr

05.12.2018 – Dreh Sachsenspiegel MDR

08.12.2018 – Merseburg/ 17:30 Uhr

9.12.2018 – RBB Frankfurt/ Radiointerview/ Liveauftritt

31.12.2018 – Eibenstock Hotel (geschl. VA)/ ab 21:00 Uhr

18.01.2019 – Grüne Woche/ Messe Berlin

02.02.2019 – Vogtlandhalle Greitz (Lesung+Konzert)/ um 16:00 Uhr

07.04.2019 – Optikpark Rathenow (Lesung+Konzert)

04.05.2019 – Frühlingsfest Leisnig

05.05.2019 – Frühlingsfest Nordhausen

02.06.2019 – Tierparkfest Perleberg

09.06.2019 – Stadtfest Ilmenau

15.06.2019 – Stadtfest Braunsbedra

16.06.2019 – Stadtfest Nordhausen

23.06.2019 – Havelfest, Stadtwerkebühne Brandenburg

06.07.2019 – Veranstaltung Wolgast

07.07.2019 – Veranstaltung Lübbenau

25.08.2019 – Veranstaltung Weißenfels

27.09.2019 – Markttage NEA! & Friends

1.11.-3.11.2019 – Musikmesse Leipzig

08.11.2019 – Eisenach (Lesung+Konzert)

31.12.2019 – Eibenstock Hotel (geschl. VA)

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